Erwacht zum Leben im Geist der Freiheit

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Wie alles begann

Es war im März 1998. Ich saß im Auto auf der langen Fahrt von Bensheim nach Traunstein. Im Radio wurde auf vielen Kanälen über die Berliner Mahnmal-Debatte berichtet. Ich stellte mir Fragen: Warum wollen Menschen ihre Vergangenheit aufarbeiten oder die Vergangenheit ihres Landes und bleiben dann in der Dunkelheit, statt sich gerade wegen dieser Dunkelheit dem Leben zuzuwenden? Warum belastet ein Land, das in seiner Geschichte schon soviel Schuld auf sich geladen hat, seine Kinder mit Schuldgefühlen, statt sie als Konsequenz zu wirklich freien und mündigen Bürgern zu erziehen? Warum wollen wir nicht gerade wegen der Dunkelheit in der deutschen Geschichte über Mahnmale hinaus auch Denkmäler bauen, die dem Mahngedenken Hoffnung und neues Leben mitgeben könnten? Eine Kultur definiert sich durch die Symbole, die sie sich setzt. Inwieweit sind ihre Denkmäler und Symbole also eine Ermutigung, sich für Frieden und Freiheit zu engagieren und wäre das nicht „aus der Vergangenheit zu lernen”?

In dieser Nacht in Traunstein sah ich gegen Morgen in einer Vision, wie in einem kurzen Film, einen Ausschnitt eines Bauwerks mit einem durchbrochenen Kreis mit großen Steinen. Es war wie ein erstes Puzzlestück, das meine ganze Neugierde weckte. Mein Unterbewusstsein muss sich in dieser Nacht mit der Thematik, mit der ich vorher nie etwas zu tun haben wollte, sehr beschäftigt haben und so begann die innere Entdeckungsreise. 15 Jahre später war schließlich das echte Bauwerk in der äußeren Welt entstanden. Die "Entdeckungsreise" ging weiter…  Den Mut überhaupt daran zu denken, diese aufwändige Friedensstätte zu bauen, hatte ich wegen der ersten positiven Reaktionen einiger Überlebender des Holocaust, als ich ihnen den neuen Ansatz im Gedenken an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte vorstellte. Lesen Sie hier unter anderem den Kommentar von Kurt Hacker, Präsident des Internationalen Auschwitzkomitees.



Ein persönliches Wort


Thomas Zieringer, Januar 2015

Das Leben hat so viel Tiefe zu bieten. Die persönliche Entwicklung scheint immer weiter gehen zu können... Gerade in unserem Land, wo die Verhältnisse immer noch recht gut sind, kann man sagen: man steht dem Glück meist selbst im Weg. Also soll man das, was den Schmerz bringt, bei sich selbst verändern. So reich werden wir beschenkt, und doch so wenig sehen wir noch den Wert. Das Leben scheint mir ein Prozess zu sein, aus dem kleinlichen selbstbezogenen Denken herauszufinden - in die Freiheit. Der „freie Wille” ist so eine Sache. Wirklich frei ist man selten. Denn Entscheidungen hängen von früheren Erfahrungen mit ihren Bildern ab und jeder Mensch trifft so immer - da eben wo er gerade steht - „die richtige” Entscheidung; auch wenn sie von außen eher nach einem leidenschaftlichen „Leiden schaffen” ausschaut. Freiheit entsteht aber da, wo ich mich aus meiner erstarrten Bilderwelt mit ihren Vorurteilen, Ängsten und Erwartungen lösen kann und scheinbar haltlos meiner Sehnsucht folge.

Und was ist diese Sehnsucht? Ich will durchs Leben tanzen, lieben und singen; bei meiner inneren Freude sein und sie ausdrücken. Das ist eine großartige Philosophie; wie ich finde die großartigste. Will man sie lernen, soll man das Leben studieren. Eigentlich genau da, wo man sich gerade wieder selbst im Wege steht. Was schimpfte Jesus über die Schriftgelehrten; und ein paar Jahrhunderte später übernahmen sie in seinem Namen die Macht... - es ist ein schmaler Weg. Kennen Sie die Freude, dieses Strahlen von Innen? Was ich meine ist, es immer in neuer Weise in Liebe und Dankbarkeit auszudrücken und damit die Welt zu verändern, sie in der Liebe zu bezaubern - durch die Worte, durch die Bewegung, mit Musik, Gedichten, Kunst... - was eine Philosophie! Das darf keine blutleere Kopfgeburt sein. Man kann's nicht studieren sondern nur ausdrücken! Leben! Was es ausmacht ist der Mut, in Würde und Redlichkeit dafür einzustehen.

Das bedeutet eben auch, nicht mehr von anderen Menschen zu erwarten, daß sie einem gut begegnen und sich womöglich gekränkt zurückzuziehen, wenn dies nicht geschieht. Es bedeutet zu erkennen, im welchem Zustand die Welt ist und welch großen Beitrag man im täglichen Leben in der Liebe für diese Welt geben kann. Es ist in der eigenen Verantwortung, Meisterschaft anzunehmen und - statt sie von Anderen zu erwarten - die positiven Impulse selbst zu setzen. So findet man aus der Opferrolle in ein neues Bewusstsein der eigenen Würde im Menschsein.

Wie auch schon der einflußreichste Philosoph der Antike, Platon, von der „Ideenwelt” sprach, so gehe ich von dem Gedanken aus, daß den Dingen dieser Welt eine Ebene der Ideen übergeordnet ist. So wird jeder Versuch, die Welt langfristig durch bloßen politischen Aktionismus ohne Vision zu verändern, zu einer Kinderei. Um die Welt im Sinne eines sichtbaren geistigen Fortschrittes zu verändern, ist gerade auf dieser Ideenebene anzusetzen - nicht die Symptome, sondern die Ursachen der Leiden behandelt auch ein guter Arzt. So geht es bei dieser Friedens- und Freiheitsstätte, bei dieser „Vision einer neuen Menschlichkeit” um eine Idee, die in die Welt gesetzt wird; um eine Arbeit in der „Ideenwelt”. Es möge verstanden werden, daß die Ideen und die gemeinsamen Visionen, denen eine Gemeinschaft folgt, langfristig wichtiger sind als das politische Alltagsgeschäft. Denn jenes folgt auch nur den bereits im Geistigen gegründeten ursächlichen Ideen. „Die Staaten blühen nur, wenn entweder Philosophen herrschen oder die Herrscher philosophieren.” (Platon)

Dieses Werk sei dem Bereich der christlich-jüdischen Mystik zugeordnet. Gerade weil es einen seelischen Prozess darstellt, welcher der Sehnsucht der Seele nach Licht und Liebe folgt, ist die damit verbundene Arbeit nahe am Leben der Menschen: sie beschäftigt sich mit der Frage nach der Heilung der Vergangenheit in der Erinnerung persönlichen Erlebens und im kollektiven Gedächtnis eines Volkes. Die so gewonnene Antwort ist zugleich ein Beitrag, daß sich das „Globale Dorf” - auch das vor der Haustüre - mit seinen verschiedenen Kulturen und Religionen in Zukunft wird friedlich gestalten lassen.

Die christliche Mystik hatte ihre Blütezeit im späten Mittelalter. Es ist zu hoffen, daß sie eine Renaissance erlebt und dazu kann dieses Projekt beitragen. Karl Rahner, einer der bedeutenden katholischen Theologen und Religionsphilosophen der Neuzeit, schrieb: „Der Fromme von Morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.” Dieses Werk ist in aller geistigen Freiheit entstanden und vom ganzen Herzen her im Vertrauen auf Gott einem Suchen nach Wahrheit und Weisheit verpflichtet.

Thomas Zieringer, 14. 1. 2007



Thomas Zieringer 2015
Zu Gast in Jerusalem im Sommer 2015 (die Kippa trage ich hier aus Respekt vor der jüdischen Religion)
Besuche: