Erwacht zum Leben im Geist der Freiheit

Der Blick auf Worms (22 km). Hier im Rheintal entstand im Hochmittelalter die jüdisch aschkenasische Kultur.


Jerusalem am Rhein

Der Baum des Lebens in der Mitte des Gartens der Freiheit ist mit seiner Wurzel nach Jerusalem im Osten ausgerichtet. Im Zentrum der "Baumkrone" ist die Rose des Schalom. Blickt man von ihr aus nach Westen zwischen den beiden Hügeln in die Rheinebene, so sieht man die Silhouette der Stadt Worms mit ihrem großen Dom am Horizont. Worms war im Hochmittelalter die mittlere der auf einer Linie liegenden drei SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz. Das Gebiet wird auch als das ehemaliges "Jerusalem am Rhein" (Film, ZDF, 45 Minuten) bezeichnet.


Jerusalem am Rhein - SchUM-Städte

Zwischen den beiden Hügeln ist in der Mitte des Bildes der Dom von Worms zu sehen.

In jüdischen Quellen werden die drei Städte Speyer, Worms und Mainz nach den Anfangsbuchstaben ihrer lateinischen Namen SchUM Städte genannt. Aufgrund ihrer zentralen Bedeutung für die jüdischen Gemeinden in Mitteleuropa gelten sie als Geburtsstätte des europäischen Judentums im Hochmittelalter. Durch Verfolgung der Juden und Zerstörung ihrer Gemeinden zur Zeit der Kreuzzüge ging die SchUM-Kultur zugrunde. Das wird in der modernen jüdischen Geschichtsschreibung oft als erster Fall eines Antisemitismus dargestellt, der nie zu vergessende Ereignisse schuf und dessen Höhepunkt die Shoa war (Referenz).

Der in privater Initiative entstandene
Garten der Freiheit ist ein positives Beispiel einer vorwärts gerichteten Gedenkkultur. Eine Zukunft in Würde und Freiheit gibt es, wenn wir uns der Vergangenheit stellen. Es bedeutet mit der Vergangenheit Frieden zu schließen, weil eine Verantwortung daraus in der Gegenwart ins Leben findet. Im Bezug auf die SchUM-Städte sieht man die sich lange Zeit in der Geschichte spiegelnden Zusammenhänge. Dieses Projekt geht zurück bis zu den Gründen. Bereits die Anfänge der deutsch-jüdischen Geschichte brauchen Anerkennung und Frieden.


Wo sich Staub zu Licht wandelt

Das schwer Auszusprechende in der Beziehung Deutschlands zum Judentum im eigenen Land reicht weit zurück. Die SchUM-Kultur in den Rheinstädten Speyer, Worms und Mainz war von so großer Bedeutung, dass die damit begründete aktuelle Bewerbung dieser Städte für den Titel „Weltkulturerbe” angemessen erscheint. Auf dem Weg nach Jerusalem in Israel zogen im Jahr 1096 christliche Kreuzritter durch die SchUM Städte, dem ehemaligen „Jerusalem am Rhein”. Juden, die nicht bereit waren zum Christentum überzutreten wurden niedergemetzelt. Die Kreuzritter hinterließen eine Spur der Verwüstung. Es gab auch in der folgenden Zeit immer wieder Pogrome gegen Juden, so geschehen kurz nach dem 3. Kreuzzug im Jahr 1195, sowie in den Jahren 1282 und 1343 (Referenz). Erwähnt werden müssen auch die Pogrome in den Jahren 1348 bis 1351 in Deutschland zur Zeit der Pest, die man „den Juden” anlastete, weil sie Brunnen vergiftet hätten. Wegen einer besseren Hygiene auf Grund religiöser Vorschriften waren Juden sehr viel seltener erkrankt.

Einen Bezug zum dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte gibt es am Ort durch einen ehemaligen Rüstungsbetrieb im Tal unterhalb des
Gartens der Freiheit. Dort waren gegen Ende des 2. Weltkrieges verschleppte Griechen und KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter eingesetzt. Das Jerusalem Friedensmal im Garten der Freiheit erinnert im Kontext eines Krieges und Zivilisationsbruchs, sich nicht von Ideologien gefangen nehmen zu lassen und die positive „Idee von Jerusalem” nicht zu vergessen.


Weitere Informationen:

SchUM Städte Speyer - Worms - Mainz

Deutsche Vergangenheit am Ort